Im Anschluss an die Annahme parlamentarischer Vorstösse zur Sicherung der medizinischen Versorgung in der Schweiz hat swissuniversities einen Grundlagenbericht zum Medizinstudium veröffentlicht. Die Universitätsleitungen empfehlen darin ein neues Sonderprogramm zur weiteren Erhöhung der Ausbildungskapazitäten. Ausserdem fordern sie eine Weiterentwicklung und Harmonisierung der Zulassungsverfahren.
Nach der Annahme der Motionen Roduit (23.3293) und Hurni (23.3854) beauftragte die Schweizerische Hochschulkonferenz die Kammer universitäre Hochschulen (UH) von swissuniversities, welcher die Rektorinnen und Rektoren der Schweizer Universitäten sowie die Präsidentin der EPFL und der Präsident der ETH Zürich angehören, mit der Erarbeitung von Grundlagen zu deren Umsetzung. swissuniversities hat in der Folge die Universitäre Medizin Zürich unter der Leitung von Direktorin Prof. Dr. Beatrice Beck Schimmer beauftragt, einen entsprechenden Grundlagenbericht zu verfassen und dabei alle an der humanmedizinischen Ausbildung beteiligten Hochschulen einzubeziehen. An ihrer Sitzung vom 26. Juni 2026 hat die Kammer UH diesen Bericht zustimmend zur Kenntnis genommen.
Erhöhung der Ausbildungskapazitäten
Im letzten Jahrzehnt haben die universitären Hochschulen ihre Ausbildungskapazitäten in der Humanmedizin bereits massiv erhöht. Dank der im Rahmen des Sonderprogramms Humanmedizin 2017–2020 umgesetzten Massnahmen konnte die Anzahl Masterabschlüsse von 882 im Jahr 2016 auf 1’381 im Jahr 2024 gesteigert werden, womit das vorgegebene Ziel von jährlich 1’300 Abschlüssen sogar übertroffen wurde. Das Sonderprogramm kann somit als Erfolg gewertet werden.
Dennoch zeigt sich, dass eine weitere Steigerung der Abschlusszahlen notwendig ist, um die medizinische Versorgung langfristig zu gewährleisten und die Abhängigkeit vom Ausland zu verringern. Die Universitätsleitungen sprechen sich deshalb für die Lancierung eines neuen Sonderprogramms aus, wobei sie betonen, dass neben einer solchen Anschubfinanzierung auch die langfristige politische und finanzielle Unterstützung seitens des Bundes und der Kantone sichergestellt sein muss.
Der grösste Engpass für die Erweiterung der Ausbildungskapazitäten in der Humanmedizin liegt bei den vorhandenen klinischen Ausbildungsplätzen. Ein Ausbau erfordert deshalb die Mobilisierung aller Versorgungsbereiche für die Ausbildung – stationär und ambulant, öffentlich und privat – sowie eine regionale und nationale Koordination.
Harmonisierung und Weiterentwicklung der Zulassungsverfahren
Die Anzahl der Bewerbenden für ein Medizinstudium übersteigt die Ausbildungskapazitäten an den universitären Hochschulen und in den klinischen Ausbildungsstätten um ein Vielfaches. Ein kapazitätsorientiertes Selektionsverfahren bleibt deshalb zwingend notwendig. Die heute angewandten Auswahlmethoden, der Eignungstest für das Medizinstudium (EMS) und der Concours am Ende des ersten Studienjahres, zeigen eine gute Prognosekraft für die Studieneignung. Nicht-kognitive Elemente wie kommunikative und interaktionelle Fähigkeiten, die für eine erfolgreiche ärztliche Tätigkeit ebenfalls sehr wichtig sind, werden hingegen nicht erfasst. Die Universitätsleitungen plädieren deshalb für die Einführung eines multidimensionalen, schweizweit harmonisierten Auswahlverfahrens vor dem Studium.
Weiterentwicklung der Curricula und weitere Begleitmassnahmen
Um die Ausbildungsqualität auch künftig sicherzustellen, müssen die Studienprogramme weiterentwickelt und zusätzliche Begleitmassnahmen umgesetzt werden. Digitalisierte Lehrformate und simulationsbasiertes Lernen können die klinische Ausbildung sinnvoll ergänzen. Darüber hinaus sollen nicht-kognitive, für den Beruf zentrale Kompetenzen bereits im ersten Studienjahr im Lehrplan verankert und auch in den Prüfungen berücksichtigt werden. Weiter gilt es, den Übergang vom Medizinstudium in die ärztliche Tätigkeit zu verbessern und die Leistungen der klinischen Ausbildnerinnen und Ausbildner stärker anzuerkennen. Schliesslich sind Investitionen in die universitäre Infrastruktur erforderlich, um die steigenden Studierendenzahlen bewältigen zu können.
Stärkung der Grundversorgung
Die Grundversorgung weist in der Schweiz bereits heute Lücken auf, die in den nächsten Jahren grösser werden. Die zuständigen Fakultäten haben in den vergangenen Jahren grosse Anstrengungen zur Stärkung der Hausarztmedizin unternommen. Der Bericht empfiehlt, diese weiterzuführen und neben der Hausarztmedizin die Bereiche der Pädiatrie, Psychiatrie sowie Kinder- und Jugendpsychiatrie stärker zu berücksichtigen. Zusätzlich soll auch die akademische Verankerung vorangetrieben werden. Für eine nachhaltige Wirkung sind allerdings weitergehende Massnahmen erforderlich, vor allem in der Weiterbildung und bei den Arbeitsbedingungen.
Nächste Schritte
swissuniversities begrüsst die konstruktive Zusammenarbeit aller Beteiligten bei der Erarbeitung dieses Berichts. Er wird nun der Schweizerischen Hochschulkonferenz als Entscheidungsgrundlage für die weiteren Arbeiten unterbreitet.
Finden Sie den vollständigen Bericht hier.